Frei schwimmender Kugelkäfig im Meer. Quelle: ZDF
Kugelkäfig unter Wasser

Abenteuer Wissen

Ein Käfig voller Fische

Fischzucht im offenen Meer

In der Karibik auf der Insel Culebra hat der Fischerei-Ingenieur Clifford Goudey Kugelkäfige für Fische konzipiert. Ocean Drifter nennt er seine frei schwimmende Fischfarm. In 30 Metern Tiefe schwebt der Stahlkäfig im offenen Meer. Er hat einen Durchmesser von 20 Metern und fasst etwa 15.000 Fische. Beladen mit Jungfischen soll der Käfig mit Hilfe von Meeresströmungen durch die Ozeane treiben. Per Satellit und Computer wird die Route verfolgt und gesteuert.

 
 
 

Die Katastrophenmeldungen von leer gefischten Weltmeeren lassen sich nicht mehr ignorieren. Die meisten Fischbestände sind stark dezimiert. Zucht scheint die letzte Überlebenschance für die noch vorhandenen Fischbestände in den Ozeanen zu sein. Aber Aquafarmen im küstennahen Bereich sind ökologisch umstritten, sie kämpfen mit zunehmender Verschmutzung.

Fischfarm an der Küste. Quelle: ZDF
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Fischfarm an der Küste

Fisch der Zukunft?

Um die große Nachfrage zu decken, produzieren Aquakulturen Fisch und Krustentiere. Aus den Fjordlandschaften exportieren allein die Norweger mehr als 40.000 Tonnen Fisch pro Jahr, vor allem Lachs. Mit Zuchtfisch das Ökosystem Meer zu entlasten, erscheint nur auf den ersten Blick naheliegend.

Doch dies ist ein Trugschluss. Überschüssiges Futter und Exkremente der Zuchtfische verschmutzen die Umwelt. Krankheiten und Parasiten belasten die Fische. Sie werden mit Antibiotika behandelt, deren Rückstände in die Nahrungskette gelangen.

Fischzucht im offenen Meer

Der Ingenieur Clifford Goudey hat auf der Insel Culebra mit Erfolg eine andere Lösung erprobt und testet den Prototyp eines Kugelkäfigs, der speziell für den Einsatz weit draußen vor der Küste gebaut wurde. Der Amerikaner ist ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der Aquakultur. Die Kosten seines offshore-tauglichen Käfigs waren enorm, denn vier Seemeilen vor der Küste ist er großen Belastungen ausgesetzt.

Prototyp des Kugelkäfigs im Wasser. Quelle: ZDF
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Der Kugelkäfig wird im Meer getetstet.

Offshore herrschen gefährliche Strömungen und auch Hurrikans muss das Gehege unter Wasser aushalten. In der Testphase ist der Stahlkäfig mit einer Kette am Meeresboden verankert. Mit Hilfe von luftgefüllten Ballasttanks sind die Kugelkäfige manövrierbar. So kann man den Prototyp aufsteigen und absinken lassen. Auf diese Weise lässt sich auch das Problem von Algen- und Parasitenbewuchs am Käfig lösen. Nacheinander werden alle Teile des Kugelkäfigs Wind und Sonne ausgesetzt. Wenige Stunden später sind die Parasiten abgestorben und vertrocknet.

Kugelkäfig an der Wasseroberfläche im Meer. Quelle: ZDF
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An der Wasseroberfläche kann der Käfig gereinigt werden.

Goudey arbeitet seit Jahren mit den Betreibern einer lokalen Fischfarm zusammen, die Cobia und Red Snapper züchten. Sie gehört zu den wenigen Fischfarmen weltweit, die heute schon offshore produzieren. Umweltschonender Zuchtfisch wächst hier weit weg von schützenden Buchten heran.

Taucher im Boot auf dem Ozean. Quelle: ZDF
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Vier Seemeilen vor der Küste liegt der Käfig.

Fischfarm der Zukunft

Die Kugelkäfige für die Fische schweben in 30 Metern Tiefe im offenen Meer. Jeder Käfig hat einen Durchmesser von 20 Metern und fasst etwa 15.000 Fische. Dort draußen spült die Strömung Exkremente und überschüssiges Futter weg, das Wasser bleibt sauber und Antibiotika sind überflüssig. Versucht wird zudem, die Tiere mit Futter mit immer höheren Pflanzenanteilen zu ernähren.

Meeresströmungen auf der Erde. Quelle: ZDF
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Meeresströmungen der Ozeane

Aber Cliff Goudey hat noch kühnere Pläne mit den Käfigen. Ocean Drifter nennt er sein Projekt: die frei schwimmende Fischfarm. Beladen mit Jungfischen soll der Käfig in Zukunft mit Hilfe von Meeresströmungen durch die Ozeane treiben. Per Satellit und Computer wird die Route verfolgt und gesteuert, die Fische per Computer gefüttert. Kann Goudey seine Idee in die Tat umsetzen, könnte das die Fischzucht revolutionieren.

Kugelkäfig unter Wasser mit Jungfischen. Quelle: ZDF
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Jungfische im Kugelkäfig

Ocean Drifter

Der Ocean Drifter ist mit Propellern ausgestattet. Antriebs- und Steuermotoren lenken den Käfig in die großen Meeresströmungen, die ihn dann weitertragen - ohne Energieverbrauch. In der Testphase werden die Motoren von einem Generator mit Strom versorgt, später könnten sie beispielsweise mit Akkus betrieben werden. Beladen mit Jungfischen, die auf der Reise heranwachsen, treibt der frei schwimmende Kugelkäfig ohne Anker mit den Strömungen im offenen Meer. So tief, dass Kollisionen mit Schiffen oder anderen Hindernissen ausgeschlossen sind.

Die Käfige könnten mit dem Golfstrom von Amerika über den Atlantik nach Europa gelangen, mit anderen Meeresströmungen von Asien nach Australien oder von Süd- nach Nordamerika driften. Am Zielort wird der Fisch entladen, der Käfig wieder mit Jungfischen bestückt und mit der Strömung zum nächsten Ziel geschickt - so die Vision. Cliff Goudey träumt schon von einer großen Flotte von Ocean Driftern, die sich durch die Weltmeere bewegt und die Menschen mit umweltfreundlich produziertem Fisch versorgt.