Bis heute wütet in Centralia der unterirdische Kohlebrand, der ein normales Leben hier unmöglich macht. Teerstraßen sind durch die Hitze aufgerissen und geborsten, an vielen Stellen steigt Qualm und giftiger Rauch auf. Zwei Wissenschaftlerinnen suchen auf dieser verbrannten Erde nach so genannten "Hotspots", Stellen an denen besonders heiße Gase austreten. Sie vermuten hier Bakterien, die in der Hitze leben und sich von giftigen Gasen ernähren.
Das unterirdische Feuer hat fast alles Leben vernichtet. Giftige Gase verpesten die Luft. Ausblühungen von Schwefelverbindungen und Salzen überziehen die Erde. Doch an den todbringenden, dampfenden Schloten zeigt sich geheimnisvolles, neues Leben: thermophile Bodenbakterien.

Die Mikrobiologin Dr. Tammy Tobin-Janzen erforscht die biologischen und chemischen Kreisläufe von Stickstoff und Schwefel direkt an aktiven Schloten des Minenbrandes. Sie fahndet nach Organismen, die unter extremen Bedingungen überleben können.
Dr. Tobin-Janzen: "Meine Hoffnung ist, dass wir Bakterien in Centralia finden, die für die Menschheit von großem Nutzen sein könnten. Vielleicht wäre das ein Ausgleich für das schlimme Schicksal der Einwohner von Centralia." Die bisherigen Forschungen der Mikrobiologin weisen darauf hin, dass es sich vielleicht um eine neue Spezies handelt, die Bausteine von Antibiotika herstellt. Diese Organismen könnten einen wichtigen Beitrag in der Medizin leisten.

Nur mit einer Sondergenehmigung ist eine Exkursion nach Centralia erlaubt. Bei ihrer letzten Fahrt in die brennende Region hatte sie Proben genommen und erste Hinweise auf einen besonderen Organismus gefunden. Doch die Ausbeute war zu gering. Bei einer weiteren Exkursion wird sie von der Geologin Jennifer Elick begleitet. Die Forscherinnen haben so genannte "Hotspots" im Visier, an denen besonders heiße Gase austreten. Überall qualmt es. Die Gefahr einzubrechen lauert überall. Die beiden Frauen müssen sehr vorsichtig vorgehen.

Die Geologin sucht nach Auffälligkeiten im Gelände, die ihnen den Weg zu den extrem heißen Punkten zeigen. Dort, direkt über den Brandherden im Untergrund wollen sie Proben sammeln. Manche Gasaustrittstellen sind jedoch mit bloßem Auge nicht sichtbar. Da sie auf Anhieb nicht fündig werden, überfliegen sie ein paar Tage später die Region mit einer kleinen Propellermaschine und hoffen, die Hotspots auf diese Weise zu finden. Für die Luftaufnahmen haben sie eine Infrarot-Kamera an der kleinen Maschine montiert.

Nach der Auswertung der Bilder stellen sie fest, dass sich der Brandherd vom Stadtkern aus in nördlicher Richtung weiter entwickelt hat. Das unterirdische Feuer brennt jetzt in einer Region, wo es keine Straßen mehr gibt. Das ist ihr Ziel. Ausgerüstet mit dem wichtigsten Equipment und einer Infrarot-Kamera machen sie sich auf den Weg. Die Geologin kann im Schwarz-weiß-Modus ihrer Kamera wichtige Details erkennen und zielsicher die Gasaustritte des Minenbrandes orten. Der Boden ist durchtränkt mit Schwefel und Ammoniak - die ideale Nahrung für die noch unbekannten Bakterien.

Die heißen Gase bilden sich durch das unterirdische Feuer und entweichen aus der wandernden Brandzone. Durch den schnellen Temperaturwechsel verändern sich die Bedingungen im chemischen Ablauf des Bodens. An einem aktiven Schlot herrscht eine Temperatur von 75 Grad Celsius. Jennifer Elick: "Das alles hier war einmal lockerer Erdboden. Das über die Jahre austretende heiße Gas hat es zu einer festen zähen Masse verklebt." Diese Stelle bietet ideale Bedingungen für ein Bakterium, das Hitze liebt und sich von giftigen Gasen ernährt. Die Mikrobiologin findet genug Material für ihre Analysen.

Auf diesen Moment hat Dr. Tammy Tobin-Janzen Jahre hingearbeitet: "Dieses Röhrchen könnte die wichtigste Probe meines Forscherlebens enthalten. Wir haben sie in einem neuen "Hotspot" gefunden. Vielleicht auch die gesuchten Bakterien. Im Labor wird sich zeigen, ob neue Antibiotika darin sind."

Zurück im Labor identifiziert die Forscherin die Bakterien mit Hilfe molekularbiologischer Techniken. Ein erster Gentest verrät: Es versteckt sich ein interessantes Lebewesen in der Probe und beinhaltet mehr Gene als alle bisher untersuchten Bakterien.
Dr. Tammy Tobin-Janzen, Mikrobiologin: "Das ist ein wirklich aufregender Fund. In der Probe erkennt man ein lang gestrecktes purpurnes Bakterium. Das ist mit größter Wahrscheinlichkeit ein Actinomycet - genau der Typ von Bakterium, den wir an den Hotspots gesucht haben."
Im Kampf gegen eine Vielfalt resistenter Krankheitserreger ist die Suche nach neuen Antibiotika eine besondere Herausforderung. Tammy Janzen hat nicht nur einen noch unerforschten neuen Typ entdeckt, sie ist auch auf eine aufregende Ähnlichkeit gestoßen: Der neue Typ ist mit Bakterien verwandt, die tatsächlich wichtige Antibiotika-Bausteine produzieren.