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10. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
Scheiben vom geräuchtertem Bio-Lachs. Quelle: Quelle: Poletto
Vorspeise aus Bio-Lachs: eine nicht ganz billige Delikatesse

Frischfisch aus dem Käfig

Bio-Lachs und
City-Fish

Alternativen zur üblichen Fischzucht

Angesichts der alarmierenden Abnahme der Anzahl frei lebender Meerestiere, hat die Fischindustrie verschiedene Versuche gestartet, alternative Ressourcen für Frischfisch zu erschließen. Einige davon sind gescheitert, andere zumindest fragwürdig. Neue Ideen zur Züchtung der wichtigen Protein-Lieferanten sind gefragt - und es gibt sogar schon Antworten: Sie reichen von Öko-Fischfarmen bis hin zum Barsch aus dem Nachbarhaus.

 
 
 
 

Vor der irischen Westküste, bei Clare Island, liegt die erste Lachsfarm, in der seit 1996 nach strengen biologischen Kriterien der Edelfisch gezüchtet wird. Das Konzept ist so überzeugend, dass der Betrieb von "Naturland", einem Verband für ökologischen Landbau, als ökologisch einwandfrei zertifiziert wurde. Die Anlage liegt weit ab der Küste und möglicher Industrieabwässer und sie wird durch den rauen Atlantik ständig umspült. Der ungewöhnlich große Tidenhub, also die Differenz zwischen Ebbe und Flut, sorgt für zusätzliches frisches Wasser.

 Quelle: ZDF
ZDF
Lachse benötigen viel Bewegung, um kräftig zu werden.

Strömung und Tidenhub haben allerdings auch Auswirkungen auf die Fische direkt: Sie müssen gegen diese Wassermassen anschwimmen, wodurch sie eine gesunde und kräftige Muskulatur entwickeln. Die Tierdichte in der Ökofarm ist nur halb so groß wie in konventionellen Fischzuchtanlagen. Folglich fügen sich die Lachse gegenseitig weniger Verletzungen zu, sind deutlich weniger von Parasiten befallen und damit auch wesentlich seltener krank. Der Einsatz von Medikamenten, insbesondere Antibiotika, erübrigt sich in dieser Farm. Dass die Bio-Lachse nicht mit Wachstumshormonen auf eine frühere Schlachtreife gemästet werden, bedarf eigentlich keiner Erwähnung.

Fische auf Weltreise

Auch für das Missverhältnis von eingesetztem Futter und Ertrag haben die Betreiber ein überzeugendes Konzept entwickelt. Da Lachse sich nicht zu Vegetariern umerziehen lassen, muss tierisches Eiweiß gefüttert werden. Die Clare-Island-Lachse erhalten allerdings kein Fischmehl aus extra dafür gefangenen Fischen, sondern sie werden ausschließlich mit Fischabfällen gefüttert, die selbstverständlich auch ökologisch unbedenklich sind. Der Aufwand hat natürlich seinen Preis. Für den Biolachs müssen Verbraucher sogar mehr bezahlen als für Wildlachs, und gegenüber normalem Zuchtlachs kostet er etwa doppelt so viel.

Fischmarkt in Brooklyn. Quelle: ZDF
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Im Fischmarkt von Brooklyn gibt es fast nur gefrorene Tiere.
Talapia-Zucht in New York. Quelle: ZDF
ZDF
Talapia-Zucht in der Stadt: ein Modell der Zukunft?

Der amerikanische Biologe Martin Schreibman kennt auch die Lage auf dem internationalen Fischmarkt. In Ermangelung von wild lebenden Tieren, stammen die meisten der Fische auf seinem Markt in New York aus Aquafarmen und werden hier als Frischfisch angepriesen. Für den emeritierten Professor ein Hohn! Weiß er doch, dass die wenigen Wildfische aus den entlegendsten Gegenden der Welt stammen und auch die Zuchtfische in Farmen weit weg von New York aufgewachsen sind. Bevor sie auf dem Fischmarkt angepriesen werden, haben sie teilweise eine wochenlange Reise im Kühlcontainer hinter sich bringen müssen.

Brooklyn-Barsche

Schreibman hat eine Vision, die er in die Realität umsetzen will: Fischzucht in der Stadt. In seinem Institut an der Brooklyn-University hat er schon eine Versuchsanlage installiert. Der Biologe züchtet darin Tilapias, in Deutschland als Victoriabarsch bekannte Süßwasserfische. Diese Tiere sind sehr genügsam, können rein vegetarisch ernährt werden und sind kaum krankheitsanfällig. Sie wachsen heran in einem geschlossenen System, in dem durch das rein pflanzliche Futter relativ wenig Schmutz anfällt. Das Brauchwasser, das regelmäßig durch frisches ersetzt wird, ist allerdings kein Abfall. Die darin befindlichen Schmutzpartikel und Exkremente, die die Fische krank machen würden, sind der ideale Nährboden für Schreibmans Algenzucht, aber auch Gemüse wie Kohl und Erbsen hat er darin schon gezogen.

Der Biologe hat sein Projekt "City Fish" genannt, und für ihn ist das die Zukunft der Aquakultur: "Wir sollten die Fische nicht am anderen Ende der Welt züchten, sondern da, wo wir sie essen - in der Stadt." Trotz allem Optimismus hat Schreibman noch keinen Partner aus der Industrie gefunden, denn die Kosten seiner Idee übersteigen die der konventionellen Zucht deutlich: Seine Tilapias sind zwar genügsam, aber richtig wohl fühlen sie sich erst ab etwa 20 Grad Wassertemperatur - und die müssen in einer großen Zuchtanlage erst einmal erreicht werden.

 
 
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