Jeden Tag staut sich der Verkehr vor allem in Ballungszentren. Im Schneckentempo quälen sich die Fahrzeuge über die Autobahn. Die rechte Spur ist blockiert von LKW, sie kriechen meist nur mit acht bis zehn Stundenkilometer voran. Das Straßenverkehrsnetz ist längst an seine Grenzen gelangt. Neue Logistiksysteme für einen schnellen Güterumschlag sind überfällig. Cargo Cap könnte ein Schlüssel zur Lösung von Versorgungsproblemen sein.
Unser tägliche Realität: Staus auf den Autobahnen, verstopfte Innstädte und wachsender Güterverkehr. Bisher werden Waren mit Fahrzeugen, per Flugzeug, Bahn oder Schiff transportiert. Gefragt sind wirtschaftliche Transportalternativen.

Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurde in Chicago ein Rohrpostsystem erprobt und auch die Londoner Post betrieb etwa zur gleichen Zeit ein unterirdisches Postversandsystem. Nun wird diese Idee wieder aufgegriffen. Professor Dietrich Stein von der Uni Bochum hat das Konzept mit führenden Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft weiter entwickelt.

Als fünfte Alternative neben Straße, Schiene, Wasser und Luft entstand Cargo Cap, das vollautomatische und führerlose Güter-Rohrpost-System. Es ist konzipiert für Ballungsräume im Nah- und Regionalbereich.

Die unterirdischen Fahrrohrleitungen haben einen Durchmesser von 1,6 Meter. Das verzweigte Tunnelsystem wird mit Hilfe des Rohrvortriebsverfahren gebaut. Bei diesem modernen Bohrverfahren werden die Rohrelemente unterirdisch verlegt, ohne die Oberfläche aufgraben zu müssen. Der Abraum gelangt über Schächte nach oben, die im Abstand von etwa zwei Kilometern liegen.

Im Versuchsprogramm und auf der Teststrecke hat sich die Transportalternative Cargo Cap schon bewährt. Eine intelligente Software übernimmt die computergestützte Steuerung der Transportbehälter, Caps genannt. Sie steuert jeden einzelnen Wagen im Rohrleitungssystem. Das ist der wesentliche Unterschied zu Bahn oder Rohrpost. Die Caps fahren zwar im Verbund, sind aber individuell steuerbar. Dadurch wird das System sehr flexibel.
Pro Einheit können genau zwei Euro-Paletten transportiert werden. Die Euro-Paletten haben sich in der Praxis als normierte Lastenträger bewährt. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 36 Kilomtern pro Stunde fahren die Cargo Caps 24 Stunden pro Tag. Das ist immerhin viermal so schnell wie ein LKW in der Stadt.

Der umweltfreundliche Antrieb erfolgt elektrisch mit einem Drehstrommotor. Die aerodynamisch geformten Caps fahren über Laufräder und seitliche Führungsrollen durch das Tunnelsystem. Nach dem Rohrpost-Prinzip steuern die Caps in dem weitverzweigten Fahrleitungsnetz die unterirdischen Hightech-Verladestationen an. Am Ziel werden mehrere oder einzelne Caps in die Station zum Be- und Entladen geschleust.
Professor Dietrich Stein: "Wir möchten, dass der Mensch etwas von der Landschaft hat, Güter gehören unserer Auffassung nach in den Untergrund." Seine Vision: Schon in wenigen Jahren könnte ein unterirdisches System von Tunneln Einkaufszentren oder Geschäfte untereinander mit dem jeweiligen Zentrallager verbinden. Professor Stein schätzt, dass sich beispielsweise die wichtigsten Zentren des Ruhrgebiets in nur fünf Jahren verbinden ließen.
Das ZDF ist für den Inhalt externer Webseiten nicht verantwortlich