Im Nordwesten Indiens, etwa 300 Kilometer von Kalkutta entfernt, brennt die Erde. Unter den Füßen der Einwohner von Samdih bedroht ein riesiger Kohlebrand Mensch und Umwelt. Das Feuer ist völlig außer Kontrolle. Um das Dorf zu retten, will die Minengesellschaft mit Hilfe deutscher Experten das Feuer bekämpfen.

Über 150 Kohlefeuer gibt es in Indien und ständig entstehen neue Brandherde. Zum Beispiel im Dorf Samdih. Dort greift im März 2009 das Feuer einer brennenden Kohlenhalde auf eine stillgelegte Mine über. Der Boden über den verbrannten Flözen gibt nach, der Boden senkt sicht, die Erde beginnt zu rutschen, Häuser stürzen ein. Das ganze Dorf ist in Gefahr.
Gestank von Schwefelgasen und vor allem das geruchlose Atemgift Kohlenmonoxid, das aus Spalten und Verwerfungen im Boden von den unterirdischen Brandherden an die Oberfläche steigt, bedrohen die Menschen von Samdih zusätzlich.
Kohlenmonoxid (CO) ist ein schleichender Killer: Es beeinträchtigt den Sauerstofftransport im Körper und führt bei höherer Konzentrationen zur Beswusstlosigkeit und zum Tod. CO wird in ppm (Parts per Million) gemessen. In den Häusern von Samdih wurden bis zu 26.000 ppm gemessen. In Deutschland liegt der zulässige Wert bei 30 ppm.
Die Mine von Samdih ist eigentlich längst stillgelegt - und es brennt in ihr. Trotzdem bauen die Menschen dort mit primitivsten Mitteln illegal Kohle ab, Tausende leben davon. Rund 50 Cent bekommen sie für einen Korb von zwischen 35 und 40 Kilogramm.

Die Einwohner von Samdih wissen, dass die Feuer immer näher kommen. Trotzdem bleibt ihnen keine Alternative zum Kohlenklau, wenn sie nicht ohne Lebensgrundlage dastehen wollen. Wenn die Bewohner von Samdih aber nicht aufhören in den Berg zu gehen, dann wird es immer weiter brennen und das wird letztlich das Dorf zerstören - ein Teufelskreis.

Das hat der deutsche Geologe Dr. Hartwig Gielisch von der Deutschen Montantechnologie in Essen herausgefunden: Durch die vielen Stollen gelangt Sauerstoff in den Berg, das Feuer wird daher nicht erstickt. Um die Brände effektiv löschen zu können, braucht man einen Lageplan der Brandherde. Den wollen die Wissenschaftler mit Hilfe von Schallwellenmessungen erstellen. Die Spezialisten aus Deutschland horchen mit ihrer speziell für Kohlebrände optimierten Messanlage tief in den Untergrund. Die Anlage kann durch Hitzeeinfluss berstendes Gestein oder einfallende Abbaustrecken anmessen. Sogar ein Knacken oder Knistern der Kohle bleibt den Experten nicht verborgen. Die Vermessung der Spalten und Bodenrisse gibt einen Aufschluss über die Richtung und Geschwindigkeit des unterirdischen Brandes.
Die Geologen haben aufgrund der Messungen einen Plan gefasst: Sie wollen die Feuer mit einem Betonwall aufhalten. Dazu planen sie eine Bohrung im hinteren Bereich der Mine und wollen die Einzelstollen mit einer Mischung aus Flugasche und Beton verfüllen. Die indischen Behörden stehen angesichts dieses Vorhabens vor einem Dilemma: Samdih kann gerettet werden, allerdings um den Preis, dass viele Menschen ihre Lebensgrundlage verlieren werden. Indem sie das Inferno verhindern, beschwören sie eine soziale Katastrophe herauf.