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10. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
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Waschbärenfamilie auf dem Dach

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Ungebetene Gäste

Waschbären erobern Deutschland

Die putzigen Tiere kommen ursprünglich aus Amerika. Es sind kleine Raubtiere aus der Familie der Kleinbären, mit den großen Bären haben sie nichts gemein. Aus den Wäldern sind sie dem Menschen gefolgt und haben in den Städten Schuppen, Keller oder Dachböden bezogen. Auf der Suche nach einem Unterschlupf in den Städten beschädigen sie Häuser und Gärten. Sie haben sich zu einer Plage entwickelt. Seit 2006 untersuchen Wildbiologen im Rahmen einer Forschungsstudie die Lebensweise der Waschbären im Müritz Nationalpark.

 
 
 
Waschbär im Baum. Quelle: ZDF
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Waschbären sind hervorragende Kletterer.

Die Tiere sind etwa so groß wie Katzen, etwa 60 Zentimeter lang und wiegen zwischen drei bis zwölf Kilogramm. Man erkennt sie an ihrem schwarz-weiß geringelten Schwanz und der typisch schwarz-weißen Gesichtsfarbe, die der Maske der Panzerknackerbande ähnelt. Sie bevorzugen gewässerreiche Laub- und Mischwälder und leben in Baumhöhlen. Sie klettern und schwimmen sehr gut, sind aber schlechte Sprinter. Die vorwiegend nachtaktiven Tiere gehören zu den Allesfressern.

Die Auswilderung

Seit etwa 70 Jahren sind die Waschbären in Mitteleuropa heimisch. Sie wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Pelzjägern nach Europa eingeführt, um sie in Pelztierfarmen zu züchten. Als Waschbärpelze aus der Mode kamen, wurden 1934 gezielt zwei Waschbärpärchen am Edersee ausgewildert. Diese stammten aus der Farm des Züchters Rolf Haak. Die Tiere fanden in Nordhessen eine perfekte Umgebung: viel Wald, viel Wasser und viel Nahrung.

 
Waschbär im Müritz Nationalpark. Quelle: ZDF
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Die Kleinbären leben bevorzugt in gewässerreichen Laub- und Mischwälder.

In den Wirren der letzten Kriegstage flüchteten weitere Waschbären nach einer Bombenexplosion in Berlin aus ihren zerstörten Gehegen. Waren es nach Kriegsende ein paar Dutzend Waschbären in Freiheit, sind es heute wohl eine halbe Million. Die Tiere haben sich in ganz Deutschland ausgebreitet, vor allem im nordhessischen und südniedersächsischen Raum und in Brandenburg. Sie sind Bestandteil der heimischen Tierwelt geworden und haben sogar die Städte bevölkert. Kassel ist die europäische Waschbärenmetropole.

Waschbär am Schornstein.
An Häusern können Waschbären große Schäden anrichten.

Die Störenfriede

Die nachtaktiven Tiere fühlen sich auf Dachböden besonders wohl. Sie sind schlau und finden fast überall einen Weg ins Haus. Dabei verursachen sie enorme Schäden. Auf der Suche nach einem Unterschlupf im Gebälk geht schon mal die eine oder andere Dachziegel kaputt , sie höhlen Dachbalken und Mauerwerk aus und hinterlassen stinkenden Kot.

Auf der Suche nach Fressbarem plündern sie Gärten, Obstbäume, Komposthaufen und kippen Mülltonnen um. Die Allesfresser verschmähen nichts. Spätestens dann ist es mit der Tierliebe der meisten Menschen, die nachts ihre Ruhe haben wollen, vorbei.

 

Die Forschung hat gezeigt, dass den Tieren mit normalen Methoden kaum beizukommen ist. Biologen von der TU Dresden untersuchen, wie die Tiere sich ausbreiten, und ob die einheimische Vogelwelt unter den kleinen Raubtieren leidet. Wichtig war ihnen, ob die Waschbären andere Arten bedrohen und die Nester der Bodenbrüter plündern.

 
Waschbär trinkt am Flussufer. Quelle: ZDF
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Biologen erforschen die Waschbären im Müritz Nationalpark.

Forschungsprojekt Müritz Nationalpark

Aus diesem Grund erforschen Frank Michler und Berrit Köhnemann das Leben der Waschbären im Müritz Nationalpark. Im Untersuchungsgebiet an der Müritz leben knapp 1000 Waschbären. Ziel der Biologen ist, die Waschbären zu fangen, medizinisch zu untersuchen und mit einem Sender ausgerüstet wieder frei zu lassen. Über einige Jahre können sie so die gesamte Population, ihre Wege und ihre Entwicklung beobachten. Vor allem nachts, wenn die Waschbären aktiv sind, verfolgen die Biologen die Streifzüge der besenderten Tiere.

 
Aufstellen von Waschbärfallen. Quelle: ZDF
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Die Biologen stellen Fallen auf.

Fünf Fallen wurden aufgestellt. Schnappt die Falle zu, wird eine Nachricht per Handy weitergeleitet. Die Biologen fahren sofort zu dem gefangenen Waschbären, um ihn zu untersuchen. Um dem Tier weiteren Stress zu ersparen, bekommt es eine Betäubungsspritze. Die Biologen wiegen und vermessen es. Dabei untersuchen sie die Tiere auch auf Parasiten. Die Daten werden in die "Personalakte" eingetragen - so entsteht eine Art Lebenslauf.

 
Waschbär wird eine DNA-Probe entnommen. Quelle: ZDF
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Nach der Untersuchung wird der Waschbär wieder frei gelassen.

Biologen untersuchen Waschbären

DNA-Proben aus dem Speichel helfen bei der Klärung von Verwandtschaftsbeziehungen. Ein Halsband mit Sender gibt zukünftig den genauen Standort der Waschbären durch. Noch schlafend kommen sie in Aufwachkisten, damit ihnen von anderen Tieren keine Gefahr drohen kann. Wie sich die eingewanderten Räuber ernähren, lesen die Biologen in den Hinterlassenschaften der Bären.

 

"Man kann an diesen Kotproben ganz deutlich sehen, dass Waschbären absolute Allesfresser und Generalisten sind", sagt die Biologin Berrit Köhnemann: "Das heißt: Sie fressen saisonal fast ausschließlich Käfer und Schnecken, und man kann nach dem heutigen Wissensstand sagen, dass die Waschbären keinen negativen Einfluss auf andere Arten haben."

Bewegungsprofil durch Fotofallen

Der Waschbär ist also für die heimische Natur ein recht unproblematischer Zuwanderer. Die wichtigste Frage für den Menschen aber bleibt: Was lockt den wilden Waschbären aus dem Wald, und warum erobert er die Stadt? Mit Fotofallen werden Bewegungsmuster der Tiere erstellt. Läuft ein Waschbär durch die Lichtschranke, wird eine Kamera ausgelöst, die Bilder auf einem Chip gespeichert. Die Daten zeigen: Es sind die jungen Männchen, die abwandern und neuen Lebensraum besiedeln.

Um Waschbären in der Stadt loszuwerden, hilft nur eine Art individuelle Selbstverteidigung: Abschrecken, dicht machen, Wege abschneiden, Elektrozaun. Aber es bleibt ein Wettrennen, denn Waschbären sind flexibel und lernen schnell. Sie passen sich einfach jeder neuen Situation an.

 
 
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Video Tierische Einwanderer

Die ganze Sendung vom 16.09.2009