Han Tak Lee stammt aus Südkorea. In den 80er Jahren wanderte er nach New York aus und eröffnete ein Bekleidungsgeschäft. Er arbeitete sechs Tage pro Woche, bis er genug Geld gespart hatte, um seine Familie nachzuholen. Doch das Familienglück währte nicht lang. Eine Brandkatastrophe, bei der seine Tochter ums Leben kam, wurde für ihn und seine Frau zur entsetzlichen Tragödie.
Lee wurde verurteilt, seine eigene Tochter bei lebendigem Leib verbrannt zu haben. Er verbüßt eine lebenslange Gefängnisstrafe in Rockview in Pennsylvania. Heute bestehen jedoch erhebliche Zweifel, ob er tatsächlich den brutale Mord begangen hat.
Nachdem Frau Lee mit ihrer Tochter nach Amerika gekommen war, begannen die ersten Schwierigkeiten. Ein Jahr nach ihrem Umzug aus Korea zeigte Lees Tochter Ji Yun erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung. Ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend. Anfangs halfen noch Medikamente, doch der Verlauf der Krankheit wurde immer extremer. Ji Yun überlebte mehrere Selbstmordversuche nur mit knapper Not.
Ihre letzte Rettung sahen die gläubigen Lees in der Kirche. Han Tak Lee reiste mit seiner Tochter nach Pennsylvania in ein kirchliches Camp. Durch intensives Beten hoffte er, Heilung für Ji Yun zu finden. Die Hoffnung wurde enttäuscht: Statt einer göttlichen Heilung erlebte die Familie eine furchtbare Tragödie. Die Hütte im Camp brannte ab, nur Han Tak Lee und seine Frau konnten sich retten.

Als die Freiwillige Feuerwehr von East Stroudsburg in jener Nacht zum 29. Juli 1989 zum Einsatzort kam, stießen die Feuerwehrleute auf eine gespenstische Szenerie: Im wild flackernden Schein einer lichterloh brennenden Hütte saß Han Tak Lee - regungslos, zwei Reisetaschen zu seinen Füßen. Das Feuer war schnell gelöscht, wenn die Hütte auch nicht mehr zu retten war. Im Inneren machten die Feuerwehrleute eine schreckliche Entdeckung: Vor der Eingangstür lag, zusammengekauert, die halbverbrannte Leiche der 20-jährigen Ji Yun.
Han Tak Lee geriet schnell unter Mordverdacht: Sein Verhalten war nicht das eines trauernden Vaters. Emotionslos ertrug er die schrecklichen Geschehnisse. Er versuchte nicht einmal, seine verzweifelte Frau zu trösten. Aber nicht nur sein Benehmen machte Lee zu einem Verdächtigen: Die Polizei fand zahlreiche Spuren in den qualmenden Trümmern, die für sie eindeutig auf Brandstiftung hinwiesen.
Zeugen berichteten von einer extrem schnellen Ausbreitung des Feuers und von dickem, schwarzen Qualm. Außerdem muss das Feuer besonders heiß gewesen sein, was die Polizei aus bestimmten Strukturen im verbrannten Holz herauslas. Mehrere Brandlöcher im Fußboden deuteten auf vergossenes, verbranntes Benzin hin. Han Tak Lee wurde verhaftet und wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, so zahlreich und überzeugend schienen die Beweise.
"Ich habe meine Tochter nicht ermordet", schwört Han Tak Lee, als der AP-Reporter Robert Tanner ihn im Gefängnis besucht, "ich habe dieses Feuer nicht gelegt. Es war ein Unfall!" Doch seine Beschwörungen nützen ihm nichts. Das Gericht hat mehrere Wiederaufnahmeanträge abgeschmettert. Der Brandexperte John J. Lentini stieß durch Zufall auf Han Tak Lees Fall. Nach einer Analyse der polizeilichen Beweisaufnahme stellte er fest: "Die Polizei hat nichts weiter als Beweise für ein Feuer gefunden - aber nicht für Brandstiftung." Die damaligen angeblichen Beweise der Polizei nennt Lentini schlicht "Altweibergeschichten".
Schwarzer Qualm hat, feine Risse im Glas, Muster auf dem verbrannten Holz hinterlassen, so genannte "Alligatorhaut". Alle Indizien und Beweise der Polizei, die auf ein Benzinfeuer schließen lassen, treten aber auch bei ganz normalen Feuern auf. Das ist inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen worden. Verursacht durch ein simples Holzfeuer kann es während eines Brandes zu einem so genannten Flashover mit Temperaturen von über 1000 Grad kommen.
Seine Neuinterpretation der Beweise hat Lentini auf der Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse in einen Bericht veröffentlicht. Das Gericht hat diesen nur als "eine weitere Expertenmeinung" gewertet.
Aber seit 1992 stehen diese neuen Erkenntnisse des Brandexperten auch in den Lehrbüchern für amerikanische Feuerwehrleute. Alle früheren Annahmen, so ist dort zu lesen, waren falsch. Trotzdem wird Han Tak Lee vermutlich bis an sein Lebensende hinter Gittern bleiben. Wohl unschuldig, wie vielleicht viele andere, die aufgrund ähnlicher "Beweise" verurteilt wurden.
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