Mit dem Bau der Elbphilharmonie haben die Entwickler den Anspruch, eines der zehn besten Konzerthäuser der Welt zu schaffen. Sie soll nicht nur architektonisch ein herausragendes Bauwerk werden, sondern auch in akustischer Hinsicht für jeden Besucher ein Erlebnis werden.
Eine derartig komplexe Philharmonie wie die Elbphilharmonie ist noch nie gebaut worden. Da das Orchester in der Mitte des Publikums sitzt und der Hälfte der Hörer den Rücken zukehrt, muss der Klang an jedem Platz perfekt sein.
Das Problem zu lösen, ist die Aufgabe des Akustik-Experten Yasuhisa Toyota. Der japanische Ingenieur ließ ein Modell des Konzertsaals bauen, an dem er die Schallentwicklung simulieren und bis ins Detail messen konnte. Da selbst die Zuschauer durch ihren Körper und ihre Atemluft die Akustik beeinflussen, wurde Stickstoff in das Modell geleitet, um den Luftwiderstand zu prüfen.


Nach etlichen Optimierungen schienen die Werte hervorragend - auch dank einer besonderen Oberfläche für den Saal: Die weltweit einzigartige "weiße Haut" ist eine kostspielige Innenverkleidung der Philharmonie und besteht aus rund 10.000 speziellen Gipsplatten, von denen jede unterschiedlich geformt sind. Auch der Reflektor an der Decke, der zugleich die Beleuchtung birgt, soll zum Hörgenuss beitragen. Er besitzt eine absorbierende und reflektierende Oberfläche ähnlich der "weißen Haut". Dabei sind in eine recht dicke Gipskartonplatte verschiedene Täler und Berge eingefräst, durch welchen der Schall entweder geschluckt oder zurückgeworfen wird.
Doch der Konzertsaal muss auch nach außen abgeschirmt werden, denn er wird von Lärm umgeben sein. Direkt unter dem Konzertsaal ist ein Parkhaus und auf der Elbe sind Containerschiffe unterwegs. Das bedeutet Lärm von allen Seiten. Auch den müssen die Ingenieure in den Griff bekommen. Auf keinen Fall darf der Schall, den die Grundmauern weitergeben, bis nach oben in den Konzertsaal dringen.
Daher wurde der gesamte Saal vom Rest des Gebäudes entkoppelt und lagert auf Rippen. Die Unterkonstruktion soll dafür sorgen, dass der Saal beinahe schwebt. Zwischen Rippen und dem Boden des Konzertsaales wird ein spezielles Federsystem angebracht, das den Schall auffängt.

Die Federn bewegen sich minimalst. Sie funktionieren im Prinzip wie Stoßdämpfer beim Auto oder ein Zieharmonika-System. Theoretisch wird der Lärm also draußen bleiben. Und praktisch? Ob sich die Investitionen am Ende auszahlen, wird das Publikum entscheiden.