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12. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
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Asiatischer Marienkäfer

Abenteuer Wissen

Berufskiller aus Fernost

Asiatischer Marienkäfer breitet sich aus

Einst wurde der asiatische Marienkäfer extra zur Schädlingsbekämpfung eingeführt, doch er ist aus den Gewächshäusern entwischt und wird nun im Freiland zur Plage. Er bedroht nicht nur das Überleben der einheimischen Marienkäfer, sondern kann auch wirtschaftlichen Schaden anrichten. Und wie es scheint, kann ihn nichts aufhalten.

 
 
 
 

Will man einen Schädling bekämpfen, heftet man ihm am besten seinen natürlichen Feind an die Fersen. Lange galt der asiatische Marienkäfer daher als willkommener Gastarbeiter in Sachen biologischer Schädlingsbekämpfung. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde er auch nach Europa importiert. Er hat einfach alle Eigenschaften eines idealen Blattlausvernichters: vital, zäh und unglaublich gefrässig. Fünfmal so viele Blattläuse wie seine deutschen Artgenossen vertilgt der Käfer, also bis zu 300 Läuse pro Tag.

 
Deutscher und asiatischer Marienkäfer. [M] Quelle: dpa
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Deutscher (l.) und asiatischer Marienkäfer (r.). Der Asiate ist erkennbar an der Zeichnung auf seinem hellgelben Halsschild, die einem "W" beziehungsweise einem "M" ähnelt.
 

Schädlingsbekämpfung ohne Chemie

Die Vorteile natürlicher Schädlingsbekämpfer wie Marienkäfer, Schlupfwespen oder Raubmilben beim Anbau von Agrarpflanzen sind einleuchtend: Im Gegensatz zu Pestiziden schwächen die "Nützlinge" nicht die Agrarpflanze und hinterlassen auch keine chemischen Rückstände auf Obst und Gemüse. Biobetriebe und konventionelle Großbetriebe setzen daher die Nützlinge daher gleichermaßen ein - meist zur Vorbeugung, damit sich unbeliebte Gäste erst gar nicht ausbreiten können.

 
Schlupfwespe. Quelle: ZDF
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Schlupfwespen bekämpfen Schädlinge wie die "Weiße Fliege", indem sie deren Larven zu eigenen Fortpflanzungszwecken nutzen.
 

Im Gewächshaus leisten die biologischen Schädlingsvernichter auch gute Dienste. Im Freiland dagegen sind sie unberechenbar. Und genau dorthin ist der asiatische Marienkäfer entwischt. Nun wird er für seine europäischen Verwandten und für den Weinbau zum Problem. Für die Winzer in den USA und Kanada ist der Asiate schon zum Schädling geworden, denn das Insekt kann die ganze Ernte verderben. Der Käfer sondert eine Körperflüssigkeit ab, die angeblich nach angebrannter Erdnussbutter schmecken soll - eine höchst unerfreuliche Geschmacksnote im Wein.

 

Im Visier der Biologen

Deutscher Wein blieb bislang von dem Käfer verschont. Aber die Winzer sind auf der Hut. Denn wie es scheint, hält nichts den asiatischen Marienkäfer auf. Am Institut für Phytopathologie der Universität Gießen haben Biologen den Sonderling im Visier und herausgefunden, warum sich der asiatische Marienkäfer bei uns so erfolgreich ausgebreitet hat.

 
Marienkäfer frisst Blattlaus. Quelle: ZDF
ZDF
Ein asiatischer Marienkäfer frisst eine Blattlaus.
 

Scheinbar frisst der Asiate auch andere Insekten, darunter auch einheimische Marienkäferlarven, die dadurch dezimiert werden. Er nutzt also ein sehr breites Spektrum an Insekten, um sich zu ernähren und auszubreiten. Und wenn es ganz zum Nahrungsmangel kommt, ist er sogar in der Lage, auf pflanzliche Nahrung ausweichen und sich zum Beiepiel von Traubensaft zu ernähren. Das tun einheimische Marienkäfer nicht.

Effiziente Immunabwehr

Wie die Wissenschaftler in Test festgestellt haben, verfügt der Asiate über eine weitere "Geheimwaffe". Den Giessener Forschern ist es gelungen, zu beweisen, dass die Zellen des Käferbluts verantworlich für seine Widerstandsfähigkeit sind und es ihm erlauben, auch die Wintermonate in unseren Breitengraden zu überleben. Dazu haben sie das Käferblut mit einer Bakterienkultur versehen und festgestellt, dass das Blut die Bakterien am Wachstum gehindert hat. Der asiatische Marienkäfer hat also eine effizientere Immunabwehr gegen Krankheitserreger als einheimische Arten.

 

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Asiate aus Deutschland nicht mehr vertrieben werden kann. Anders als viele Insekten hat er hier keinen Gegenspieler, keine natürlichen Feinde. Und wo er sich ausbreitet, werden seine einheimischen Verwandten weichen. Die einzige Hoffnung ist, dass die Natur sich auch auf diesen Fremden einstellt.

 
 
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