Obwohl die Elbphilharmonie noch lange nicht fertig gestellt ist, wird sie schon als neues Wahrzeichen Hamburgs gepriesen, trotz explodierender Kosten. Die Baustelle des Konzerthauses liegt am Rande der Hamburger Speicherstadt, am alten Kaispeicher, in dem früher Kakao und Kaffee gelagert wurde. Hier entsteht ein neuer, gigantischer Baukomplex - die Elbphilharmonie mit drei Konzertsälen, 47 Wohnungen und einem Fünf-Sterne-Hotel - nach Plänen der Schweizer Architekten Herzog & de Meuron.

Die Hamburger Speicherstadt mit Backsteingebäuden aus der Gründerzeit ist ein riesiger Lagerkomplex am Freihafen, der bis 2003 zum Zollausland gehörte. Die Speicherstadt liegt, getrennt durch den Zollkanal, direkt an der Altstadt. Im Zweiten Weltkrieg wurden viele historische Lagerhallen zerstört. Einige Backsteingebäude, darunter der markante Kaispeicher A, hat der Hamburger Architekt Werner Kallmorgen (1902 - 1979) nach dem Krieg neu gestaltet.
Die neue Elbphilharmonie liegt in der südlichen Speicherstadt in der Nähe des Überseehafens. Hier im neuen Vorzeigestadtteil HafenCity wird das spektakuläre Konzerthaus erbaut. Zunächst ist der Kaispeicher komplett entkernt worden, nur die Fassaden werden erhalten bleiben. Im alten Speichergebäude entstehen Parkflächen und Räume für musikpädagogische Angebote, Backstage-Bereiche, Studio, Gastronomie und Konferenzflächen.


Zwischen dem historischen Gebäude und dem gläsernen Neubau haben die Architekten eine öffentliche Plaza in einer Höhe von 37 Metern geplant. Von diesem Außenbereich mit Restaurant und Bars genießen die Besucher einen fantastischen Blick über den Hafen und die Stadt. Auf der Ebene der Plaza ist der Eingang zum Hotel und den Wohnbereichen. Über die mehrgeschossige Treppenhausanlage, die einer Skulptur gleicht, gelangt man in die Philharmonie.
Die Planer haben für den gläsernen Neubau ein geschwungenes, schillerndes Glaskonzept entwickelt, das Dynamik ausstrahlen und ein architektonisches Highlight werden soll. Auf der Baustelle arbeitet man noch am Grundgerüst. Insgesamt werden 1100 Glaselemente mit 2200 Scheiben montiert. Die einzelnen Elemente sind bis zu fünf Meter hoch und nach innen oder außen gewölbt, keines gleicht den anderen. Die Balkone der Wohnungen sind hufeisenförmige Ausschnitte in der Glasfront.
Im schwäbischen Gundelfingen werden die Glas-Elemente zusammengesetzt. Zwei andere Fassadenbauer hatten zuvor kapituliert. Karl-Heinz Lindenmaier leitet das Projekt. Jede geschwungene Fassadenelement wird von Hand gefertigt. Die Glasfront muss später den extremen Wetterbedingungen an der Elbe standhalten. Deshalb wurden die Glaselemente genauesten Überprüfungen und aufwändigen Tests unterzogen.

Die großzügigen Glasfronten müssen Wind und Regen trotzen, alles muss dicht sein. Für den Wettertest wurden an den Innenseiten der Scheiben Sensoren angebracht, die jede kleinste Veränderung erfassen. Eine Sprenkler-Anlage simuliert extreme Regenfälle und ein 2200 PS starker Flugzeugmotor erzeugt Windböen von 110 bis 150 Stundenkilometer. Die künstliche Wettermaschinerie peitscht Orkanböen gegen die Glasfassade. Alles ist dicht, die Fassadenbauer sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Um die hohen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, wird die Glasfront aus Verbundglas produziert, denn bei einem Aufprall darf das Glas keinesfalls splittern. Dafür sorgt eine spezielle, reißfeste Folie, die zwischen den einzelnen Glasschichten klebt und bei hoher Temperatur und hohem Druck unlösbar zu einer Einheit verschmolzen wird. Trotzdem ist das zwölf Millimeter dicke Glas klar. Die vielfach beschichteten Scheiben haben auch eine spezielle Schicht für Sonnen- und Wärmeschutz.
Die Belastungstests haben gezeigt, dass das Isolierglas so bruchsicher ist wie gefordert. Es hält einen Aufprall mit Autoreifen von 70 kg aus. Nach dem Abschluss der Tests können die Fassadenelemente für das neue Hamburger Wahrzeichen nun in die Endproduktion gehen.