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09. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
U-Boot-Werft in Hamburg aus den 1940er Jahren (s/w). Quelle: Hansestadt Hamburg
U-Boot Werft Hamburg

Abenteuer Wissen

Luftschutzturm am Rosshafen

Turmbunker für die Arbeiter einer alten U-Boot-Werft

Während des Zweiten Weltkriegs war Hamburg aufgrund des Hafens und der Rüstungsindustrie strategisch besonders wichtig. Deshalb gab es hier mehr Bunker als in jeder anderen Stadt. Auf dem Gelände einer alten U-Boot-Werft steht ein in seiner Bauform einmaliger Luftschutzturm, ein so genannter "Ringtreppenbunker". Fünf Eingänge mit vier Treppenhäusern führen in jeweils unterschiedliche Stockwerke. Diese besondere Konstruktion sollte Staus und Gedränge vermeiden. Hamburger Bunkerforscher hatten die Erlaubnis, den Turm zu erkunden - kurz bevor er abgerissen wurde.

 
 
 
 

reDie Denkmalschutzbehörde schätzt, dass es im Hamburger Stadtgebiet noch etwa 700 erhaltene Bunkerbauwerke gibt. 71 Hochbunker, 11 Rundtürme und eine Vielzahl von Tief-, Röhren- und Rundbunker sind bisher entdeckt und dokumentiert worden.

Grafik des Ringtreppenbunkers. Quelle: ZDF
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Grafik: Bunker auf dem Werftgelände

Außergewöhnliche Architektur

Schon in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre hatten die Nazis den Bau des "Ringtreppenbunkers" beauftragt. Auf dem ehemaligen Werftgelände für U-Boote wurde der 21,75 Meter hohe turmförmige Bunker mit einem Außendurchmesser von 14,5 Metern für die 465 Werksangehörigen der Howaldtswerke errichtet. Die Werftarbeiter sollten möglichst lange an den U-Booten arbeiten und sich bei Fliegeralarm erst in letzter Minute in den Bunker retten. Dann mussten sie ohne Gedränge sicher und schnell in den Schutzraum gelangen.

 
Grafik: Alarmsituation bei Fliegeralarm.
Grafik: Kein Gedränge in Alarmsituationen

Der Architekt löste das Problem, indem er fünf Eingänge mit vier Treppenhäusern konstruierte, über die man jeweils in ein anderes Stockwerk gelangte. So ließen sich gelang es im Ernstfall Staus vermeiden. Die Treppen lagen direkt an der Innenseite der Außenwand und führten spiralförmig wie in einem Schneckenhaus zum Schutzraum. Im Erdgeschoss war die Werksluftschutz-Befehlsstelle untergebracht.

Eingang zum Ringtreppenbunker. Quelle: ZDF
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Eingang des Bunkers

Erforschung der Hamburger Unterwelt

Die Vereine "Hamburger Unterwelten" und "unter Hamburg" dokumentieren die noch erhaltenen steinernen Zeugen des Feuersturms und gehen den Fragen nach, ob die Bunker der Hitze und den Flammen standhielten und damals genügend Schutz boten.

Michael Grube ist Bunkerforscher und arbeitet für den Verein "Hamburger Unterwelten". Er hat sich die Pläne für den "Ringtreppenbunker" aus dem Hafenarchiv besorgt. Die Originalbaupläne erleichtern die Orientierung in dem fensterlosen Turm. Jede einzelne Etage diente als Schutzraum. Etwa 500 Menschen sollen im Krieg hier Zuflucht gefunden haben. Ganz oben im Turm ist eine gepanzerte Öffnung für ein Periskop angebracht. Ein Seerohr ermöglichte ähnlich wie bei einem U-Boot den Blick in die Außenwelt.

 
Gepanzerte Bunkeröffnung mit Richtungsanzeigen. Quelle: ZDF
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Gepanzerte Bunkeröffnung mit Richtungsanzeigen
Grafik: brennende Häuser im Feuersturm. Quelle: ZDF
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Grafik: Feuersturm in Hamburg

Bunker in der Feuerhölle

Die Ausstattung des Bunkers war außergewöhnlich und damals auf dem neuesten Stand der Technik. Wer hier Schutz suchte, muss für die Nazis sehr wichtig gewesen sein, wie die Werfarbeiter, die damals auf dem Gelände des Rosshafens U-Boote instand gesetzt haben. Im Alarmfall kam es auf jede Sekunde an. Im Vergleich zu einem normalen Bunker gelangten die Schutzsuchenden fünf Mal schneller in das sichere Turminnere.

Michael Grube, Hamburger Unterwelten e.V.: "Wenn der Ringtreppenbunker im Feuersturm gestanden hätte, wären die meisten Menschen hier drinnen gestorben, durch Rauchgaseinwirkung. Irgendwann funktionieren die Filter nicht mehr, die Luft ist sehr heiß, die Filter gehen einfach kaputt und dann setzt die Vergiftung durch Kohlenmonoxyd und andere giftige Gase ein."

Die Original-Aufnahmen vom Hamburger Feuersturm zeigen, dass vor allem die Wohngebiete im Hamburger Osten bombardiert wurden. Großflächig fielen mehr als 100.000 Spreng- und Brandsätze auf die Häuser. Die gewaltige Hitze der Brände sog die kalte Frischluft vom Boden an und damit Sauerstoff aus jedem Winkel von Schutzkellern und Bunkern. Diese Luft schoss mit orkanartiger Geschwindigkeit in das Flammenmeer und wurde zu einer einzigen rasenden Feuerfront, die fast die Hälfte des Hamburger Wohnraums zerstörte.

 
 
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