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21. März 2010
 

Abenteuer Wissen

 
Protestaktion von Greenpeace bei Thunfischfang auf dem Meer. Quelle: ap
Greenpeace Protest gegen Thunfischfang

Abenteuer Wissen

Plünderung der Meere

Fischbestände werden rapide dezimiert

70 Prozent der Erdoberfläche ist mit Wasser bedeckt. Jahrhunderte lang glaubte man Nahrung aus dem Meere sei unerschöpflich. Doch innerhalb weniger Jahrzehnte hat die industrielle Fischerei die Meeresgründe so ausgebeutet, dass sich die Natur nicht mehr regenerieren kann. Zusätzlich belastet wird das Wasser durch Verschmutzung und Verklappung von Giftstoffen, Schiffsverkehr sowie Öl- und Gasförderung. Naturschützer fordern die Einrichtung weltweiter Meeresschutzgebiete.

 
 
 
 

Zerstörerische Fangmethoden und Verschmutzung haben dem Ökosystem Meer massiv geschadet. Die Fischbestände der Ozeane sind hoffnungslos überfischt, ganze Fischarten sind vom Aussterben bedroht.

 
Verschiedene gefangene Fische. Quelle: ap
ap
Gefangenge tote Fische

Industrieller Fischfang

Die internationale Hochseefischereiflotte ist ausgerüstet mit riesigen Fabrikschiffen. Mit GPS finden die Schiffe ihre Fischgründe mit unglaublicher Genauigkeit. Mit Echolot und Radar gehen ihnen riesige Fischschwärme ins Netz. Die Beute wird an Deck gehievt, gleich filetiert und eingefroren.

 
Filetiermaschine von Fischen. Quelle: dpa
dpa
Filetiermaschine von Fischen läuft automatisch.

Durch die verantwortungslose Überfischung sind die Fischbestände dramatisch zurückgegangen. Trotz moderner Technik wird es für die schwimmenden Fischfabriken immer schwieriger, die Fangraten auf einem hohen Level zu halten. Trotzdem machen sie weiter Jagd auf immer weniger Fisch.

Tote Kabeljaus liegen in einer Kiste. Quelle: ap
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Der Kabeljau ist ernsthaft gefährdet.

Grausame Fischfangmethoden

Zahlreiche Arten von Speisefischen sind in ihrem Bestand gefährdet. Trotzdem setzen die Hochseeflotten immer effektivere Fangmethoden ein, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie arbeiten mit überdimensionalen, riesigen Netzen, die vollautomatisch bedient werden. Treibnetze bestehen aus durchsichtigen, reißfesten Kunststofffasern. Sie werden auch "Wände des Todes" genannt, weil Tiere, die sich hierin verfangen wie Haie, Schildkröten oder Wale, qualvoll verenden.

 
Grunschleppnetz am Meeresboden. Quelle: ZDF
ZDF
Grundschleppnetze zerstören den Meeresboden.

Besonders zerstörerisch ist der Einsatz von Grundschleppnetzen. Sie reichen bis in eine Tiefe von 1500 Meter und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Alles, was auf dem Meeresboden wächst, wird weggerissen. Mit so genannten Ringwaden lassen sich ganze Fischschwärme einkesseln. Solche Netze können 200 Meter hoch und bis zu 2000 Meter lang sein. Viele Fische werden von ihren Artgenossen zerquetscht, wenn die prall gefüllten Netze an Bord gezogen werden.

 
Netz für Thunfischfang wird über die Wasseroberfläche gezogen. Quelle: afp
afp
Netz für Thunfischfang

Beifang geht über Bord

Die industriellen Fangschiffe sind meist auf eine oder nur wenige Fischarten spezialisiert. Alle anderen Meerestiere, die auch in den Netzen hängen bleiben, werden als unerwünschter Beifang tot oder verletzt über Bord geworfen.

 

Jedes Jahr verenden etwa 300.000 Wale und Delphine in den Netzen. Eine andere Fangmethode ist die Langleine, die bis zu 100 Kilometer lang sein kann. Die bis zu 30.000 Angelköder werden automatisch bestückt. Für Tausende Seevögel eine tödliche Falle.

 
Wal hat sich in einem Fischernetz verfangen. Quelle: dpa
dpa
Wal hat sich im Netz verfangen.

Jedes Jahr holen die gigantischen Fischfangflotten weltweit über 80 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer. Die Folge: Die Fangmengen nehmen kontinuierlich ab. Ein Drittel des weltweiten Fischfanges wird zu Fischmehl und -öl verarbeitet. Es landet auf Bauerhöfen als Futter für Schweine, Hühner oder in Fischzuchtanlagen. Für ein Kilogramm Lachs einer Fischfarm muss vier Kilogramm Fischmehl verfüttert werden. Diese Farmen sollten eigentlich den Fischfang reduzieren und die Meere entlasten. Das Gegenteil ist der Fall.

Fischer trägt Schertfisch an den Strand. Quelle: ap
ap
Fischer mit Schwerfisch

Schonungslose Ausbeutung

Die Gewässer in Nordeuropa sind fast leer gefischt und seit Jahrzehnten schon zieht es die europäische Fischfangflotte in die Weltmeere. Gegen Zahlung von Devisen erlauben überschuldete Entwicklungsländer den Schiffen in ihren Küstengewässern zu fischen. Leidtragende sind die einheimischen Fischer, sie kehren immer öfter mit leeren Netzen vom Meer zurück und sind in ihrer Existenz bedroht. Das Problem der Überfischung ist somit auch in den Entwicklungsländern angekommen. Übersteigt der Fang hier die Reproduktionsraten, ist die Entwicklung nicht mehr umkehrbar.

Weltweit wurden die Fischbestände dezimiert. Das ökologische Gleichgewicht ist längst aus der Balance geraten. Inzwischen gibt es festgelegte Fangquoten für jedes Land und für jede Fischart. Aber zum Beispiel bei Kabeljau können Fangquoten gar nicht mehr erfüllt werden. Aber selbst Fangverbote werden immer wieder unterlaufen und die Piratenfischerei steigt rasant an. Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hat in ihrem letzten Fischereibericht auf die prekäre Lage hingewiesen: Sieben der zehn meist gefangenen Fischarten gelten als überfischt und haben ihre maximale Ausbeutungsgrenze längst erreicht.