Immer wieder gelangen giftige Substanzen ins Grundwasser und passieren ungehindert die Filter der Wasserwerke, obwohl dort die Wasserqualität ständig überprüft wird. Trotzdem kommt es zu Zwischenfällen: Hohe Konzentrationen von perfluorierten Tensiden (PFT) belasten das Trinkwasser in Nordrhein-Westfalen. In Krankenhausabwässern werden Medikamentenreste nachgewiesen; Rückstände von Antibiotika verursachen gefährliche Resistenzen von Bakterien. Und wie gefährlich sind Nanopartikel in Lebensmitteln und im Trinkwasser?
Gift im Boden, Luft oder Wasser gefährdet unsere Gesundheit. Unser Trinkwasser ist in die Schlagzeilen geraten mit der Chemikalie PFT, Nanopartikeln und Medikamentenrückständen in Klinikabwässern.

Perfluorierte Tenside (PFT) sind synthetische Substanzen, die in einer Vielzahl von Produkten verwendet werden. Die Chemikalie ist in der Natur schwer abbaubar, toxisch für Mensch und Tier. Sie steht im Verdacht Krebs zu verursachen. Über Jahre mischte eine Industriefirma mit PFT belasteten Klärschlamm unter Dünger, der auf zahlreichen landwirtschaftlichen Flächen in Nordrhein-Westfalen verbreitet wurde. Das Gift versickerte und gelangte schließlich in die Ruhr, den Fluss, der fünf Millionen Menschen mit Trinkwasser versorgt.
Die Warnung kam zu spät. Viele hatten das Wasser bereits getrunken, das PFT wurde in ihrem Körper nachgewiesen. Erstaunlicherweise fand sich das Gift aber auch in Menschen, die das verseuchte Trinkwasser nie zu sich genommen hatten. Die Vermutung: Über das Grundwasser war das PFT auch in den See gelangt und hatte sich in Speisefischen angereichert. Die Untersuchung von etwa 100 Möhnesee-Anglern soll Klarheit bringen. Das Ergebnis wird im Herbst 2008 erwartet.
Nanopartikel lassen den Ketchup schneller aus der Flasche fließen, Gewürzmischungen gleichmäßiger rieseln, Reifen besser bremsen. Die Nanotechnologie gilt als die Errungenschaft des 21. Jahrhunderts, die der Wirtschaft neue Absatzmärkte bescheren soll. Allein im Jahr 2007 gab die Bundesregierung 330 Millionen Euro dafür aus. Doch wie steht es um die Nebenwirkungen dieser Wundertechnologie? Nanopartikel werden als Materialien definiert, die mindestens in einer Dimension kleiner als 100 Nanometer sind.
Wissenschaftler weisen zunehmend darauf hin, dass Nanopartikel erhebliche Gesundheits- und Umweltrisiken bergen. Wie Versuchsreihen an Ratten und Mäusen belegen, durchbrechen die Nanopartikel die schützenden biologischen Schranken wie Plazenta oder Blut-Hirn-Schranke. Nach Schätzungen des BUND sind sie in vielen verschiedenen Alltagsprodukten und etwa 600 verschiedenen Lebensmitteln enthalten.
Jährlich gelangen mehrere Tonnen Medikamente in die Umwelt - mit zum Teil erheblichen Folgen: In Indien starb der Aasgeier durch ein Schmerzmittel aus, hierzulande verweiblichen Fische durch die Rückstände von Hormonpillen. Hinzu kommen Resistenzen von bakteriellen Krankheitserregern. Ausgelöst werden sie durch Rückstände von Antibiotika in den Abwässern, vor allem im Umfeld von Krankenhäusern, wie Dr. Wolfgang Kohnen von der Uniklinik Mainz nachweisen konnte.
In einem Pilotprojekt versucht das Kreiskrankenhaus Waldbröl die Medikamentenflut im Abwasser in den Griff zu bekommen. Der Plan: Die belasteten Abwässer dürfen erst gar nicht in die kommunalen Kläranlagen gelangen, sondern sollen vorher in speziellen Anlagen gereinigt werden. Dr. Wolfgang Kohnen macht erneut den Test vor Ort.