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10. Februar 2012
 

Abenteuer Wissen

 
Gezüchtete Muscheln unter Wasser. Quelle: ZDF
Können Muscheln weit draußen in der Nordsee gezüchtet werden?

Frischfisch aus dem Käfig

Offshore-Muscheln und Binnen-Seefisch

Ökologische Aquakulturen an Land und im Meer

Was im internationalen Bereich versucht wird, ist auch in Deutschland Gegenstand von Forschungen: Die Produktion von umweltgerechten und kostengünstigen Meerestieren. Einige der Projekte erscheinen auf den ersten Blick etwas skurril, bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich jedoch als durchaus vielversprechend.

 
 
 
 

"Am Anfang haben wir über die Idee gelacht. Dann haben wir uns mit der Technik beschäftigt und festgestellt, dass es klappen könnte." Jens Assheuer, Ingenieur und Windkraft-Experte, beschreibt so seine erste Reaktion auf den Vorschlag, den der Meeresbiologe Bela Buck ihm vor einigen Monaten gemacht hat. Dieser erforscht seit drei Jahren die Möglichkeit von Muschelfarmen weit draußen im Meer. Voraussetzung hierfür ist zunächst, dass die See in dieser Region ausreichend Nahrung für die Schalentiere und Muschelsaat, also junge Muscheln, bietet.

Muschelbank unter Wasser. Quelle: ZDF
ZDF
"Pilot-Muscheln" in der Deutschen Bucht

Nachdem diese Frage positiv beantwortet werden konnte, installiert Professor Buck mit seinem Team vom Alfred-Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) meilenweit von der Küste entfernt in der Deutschen Bucht eine Pilotanlage. Mit ihr sollen die entscheidenden Fragen beantwortet werden, ob eine solche Farm der rauen Nordsee standhalten kann, ob die Muscheln groß und stark genug werden, um verkauft zu werden und - ob sie überhaupt genießbar sind.

Dick und lecker

Die erste der Fragen beschäftigt die Forscher im vergangenen Frühjahr ganz besonders, war das Wetter im Winter doch so schlecht, dass sie monatelang ihr Versuchsobjekt nicht besuchen konnten. Die erste Fahrt hinaus in Richtung Leuchtturm Roter Sand bringt eine Überraschung: Aufgrund eines Sturms ist die gesamte Anlage mit einem Gewicht von mehr als vier Tonnen mehrere hundert Meter versetzt worden. Bange Frage: Haben die Muscheln diesen unfreiwilligen Umzug überlebt? Ein erster Tauchgang beruhigt Buck und sein Team, denn nicht nur die Zuchtstation ist unbeschädigt, auch die Muscheln haben sich prächtig entwickelt und können für weitere Untersuchungen geerntet werden.

Modell eines Windrades auf einem Laptop. Quelle: ZDF
ZDF
An den Verankerungen könnten die Muscheln gezüchtet werden.

Diese finden dann im Bremerhavener AWI statt. Mechanische Tests ergeben, dass die Schalendicke und -konsistenz der Muscheln gut für einen Transport geeignet sind, doch wie sieht es mit der Bekömmlichkeit aus? Die Analyse unter dem Elektronenmikroskop weist die "Offshore-Muscheln" als frei von Parasiten und Krankheitserregern aus. Nach diesem ersten positiven Ergebnis könnte Bucks eigentliche Idee in die Tat umgesetzt werden: Die Zusammenarbeit mit dem Windkraft-Experten Jens Assheuer. Denn in den nächsten Jahren entstehen in dieser Gegend der Nordsee mehrere Windkraftanlagen, an deren Fundamenten preiswert köstliche Muscheln gezüchtet werden könnten. Der Pilotversuch war erfolgreich, vielleicht wird es auch die Doppelnutzung der Windräder.

Wolfsbarsch. Quelle: mev
mev
Wird der Wolfsbarsch eine saarländische Spezialität?

Völklinger Wolfsbarsch

Ein gänzlich anderes Projekt entsteht zurzeit im saarländischen Völklingen. Während Bela Buck weit weg von menschlicher Zivilisation Muscheln züchten möchte, planen die Stadtwerke Völklingens mit der Firma "International Fish Farming Technologie (IFFT)" die Errichtung einer Zuchtanlage für Meeresfische. Für 25 Millionen Euro entstehen in der früheren Kokerei Fürstenhausen fünf unabhängige Anlagen für Edelfische wie Wolfsbarsch (Loup de Mer), Dorade und Red Snapper. Zielgruppe sind die umliegenden Gourmet-Restaurants im Saarland und Frankreich.

Das Besondere: In Völklingen entsteht die, laut Hersteller, "größte geschlossene Aquakultur-Kreislaufanlage der Welt". Sie ist gekoppelt mit einer Biogasanlage, in der die organischen Abfälle zu Wärme und Energie umgewandelt werden. Das so gereinigte Wasser fließt zurück in die Zuchtbecken, der Kreislauf ist geschlossen. Mit dieser Technik sollen die üblichen Probleme der Fischzucht vermieden werden. Es drohen keine Krankheiten oder Parasiten, die behandelt werden müssten und der anfallende Abfall hält sich in Grenzen. Ab 2009 soll der Betrieb laufen, und erst dann wird sich zeigen, ob es mehr ist als eine verrückte Idee, Hunderte Kilometer von der Küste entfernt Seefisch zu züchten.

 
 
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