Im Falle eines atomaren Anschlags oder Bombenabwurfs könnte es hilfreich sein zu wissen, woher das radioaktive Material stammt. Was noch vor wenigen Jahren unmöglich schien, gelingt Technikern mittlerweile nahezu mühelos: die Identifizierung strahlender Explosionsrückstände anhand ihrer "Fingerabdrücke".

Erinnerungen an den Kalten Krieg: Bis an die Zähne mit Nuklearwaffen gerüstete Großmächte stehen sich gegenüber und drohen, sich gegenseitig zu vernichten. Lediglich das "Gleichgewicht des Schreckens" verhindert letztendlich eine atomare Katastrophe: Den Erstschlag der einen Weltmacht würde die andere binnen Minuten erwidern; jeder weiß, dass Hunderttausende von Toten, zerstörte Städte, verbrannte Landschaften weltweit die Folge wären.
Auch wenn längst keine Rede mehr ist vom Kalten Krieg, bleibt die Drohung eines atomaren Gegenschlags bestehen. Alle Atommächte, auch die "inoffiziellen", wissen davon: Einer pakistanischen Bombe auf Washington folgte sofort die Zerstörung Islamabads. Soweit die Logik eines offenen Krieges. Doch wem sollten die USA drohen, wenn der Absender einer Bombe unbekannt ist? Eine Überlegung, die in Zeiten grassierenden Terrorismus' nicht abwegig ist. Auch Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation halten es für nicht ausgeschlossen, dass Atom-Staaten beispielsweise die Terror-Organisation Al-Kaida mit nuklearem Sprengstoff versorgen.

Ähnlich wie nach den Anschlägen des 11. September würde die amerikanische Bevölkerung eine sofortige Reaktion ihrer Regierung erwarten. Doch selbst wenn diese wüsste, dass Osama bin Laden und Konsorten für diesen Terrorakt verantwortlich sind, kennt sie deren Aufenthaltsort nicht - ansonsten hätten sie sie längst gefangen. Also kann sich die Rache nur gegen den Lieferanten der Bombe richten. Doch wie kann dieser ermittelt werden? Ein Vorhaben, das noch vor wenigen Jahren aussichtslos erschien, beherrscht heute jeder Inspektor der Atombehörde. Alles was er dafür braucht, ist Staub aus den Atomanlagen der verdächtigen Länder. Wurden in den Räumen jemals Atombomben gebaut oder gelagert - der Staub würde es verraten.
Welche Geheimnisse diese Methode lüften kann, zeigt ein Fall aus dem Iran. Im August 2003 nehmen Inspektoren Staubproben in einer Anlage in Teheran. Sie befürchten, dass dort Uran angereichert wird. Die Proben durchlaufen mehrere Testverfahren in den Wiener Labors der Atombehörde, und schließlich finden die Ermittler, wonach sie gesucht haben: Atomwaffenfähiges Uran - doch stammt es tatsächlich aus dem Iran?
Diese Frage wird durch eine Untersuchung im Massenspektrometer geklärt. Winzige Staubpartikel werden dabei Atom für Atom untersucht - es entsteht der "Fingerabdruck" dieser Uranstaubkörner.

Wie bei der menschlichen Identifizierungsmethode gilt auch bei den winzigsten Uranmengen: Keine Probe gleicht der anderen, jede noch so kleine Menge kann ihrem Ursprung zugeordnet werden. Hiermit scheint die Rückverfolgung zu den Verursachern jeglichen atomaren Terrors gewährleistet zu sein, die "Schurkenstaaten" werden sich angesichts dieser Technik hüten, Atombomben an Terroristen zu liefern.
Doch zu früh gefreut! Voraussetzung für die Identifizierung von waffenfähigem Uran ist die Kenntnis der Produktionsstätte und eine Vergleichsprobe aus der Anlage. Doch was tun, wenn ein Staat über geheime Produktionsstätten verfügt oder sich weigert, die Inspektoren der Atomenergie-Organisation ins Land zu lassen? Für eine Entwarnung ist es also deutlich zu früh.