Die neue Hafencity ist unter Belagerung. Hunderttausende von Brückenspinnen haben die Gebäude erobert. Die HafenCity-Manager fürchten, die lästige Invasion könnte den Wert ihrer First-Class-Gebäude mindern. Eine Biologin soll herausfinden, wie die Spinnenplage eingedämmt werden kann.
Die HafenCity in Hamburg ist bereits bewohnt. Noch vor dem Einzug der ersten Menschen haben sich tausende Brückenspinnen, eine noch recht unbekannten Art, in und an den Gebäuden niedergelassen. An manchen Fenstern hängen mehrere Dutzend Spinnen in unzähligen Netzen. Überall liegt Spinnenkot, Reste von Netzen oder die Haut von Spinnen.

Die Biologin Anja Kleinteich untersucht im Auftrag der Investoren die lästigen Bewohner. In Deutschlands einzigem Spinnenlabor züchtet sie die Brückenspinne. Die Biologin hat herausgefunden, warum sich diese Art so massenhaft ausbreitet. Die Brückenspinne lebt in Kolonien, ist im Gegensatz zu anderen Spinnen nicht kannibalisch und vor allem ein Weltmeister der Fortpflanzung.
Wenn die Spinne viel Nahrung hat, kann sie innerhalb von sieben Monaten bis zu 1500 Nachkommen zeugen. Die Situation in der HafenCity könnte daher leicht ausufern. Eine Bekämpfung der kleinen Tiere ist aber problematisch. Gift darf an der Elbe nicht eingesetzt werden, weil es sich in den Fischen anreichern und auf dem Teller des Menschen landen würde.

Um die Spinnenplage aufzuhalten, hat Anja Kleinteich über Monate hinweg das Paarungsverhalten untersucht, um mehr über die Fortpflanzung herauszufinden. Sie ist zu dem Schluss gekommen, dass der Sexuallockstoff des Weibchens isoliert werden muss. Sollte es dann gelingen, den Lockstoff zu synthetisieren und die Spinnen reagieren darauf, dann könnten die männlichen Tiere damit in die Falle gelockt werden.
Doch die Biologin verfolgt noch eine zweite Idee. Sie will den Tieren mit Hilfe von spezieller Beleuchtung die Nahrung entziehen. Die Beuteinsekten der Spinnen werden nicht von allen Lichtquellen gleich stark angezogen. Diese Vorlieben scheinen genetisch fixiert. Deshalb hat die Forscherin das Licht von Natriumdampflampen getestet und mit herkömmlichen weißen Straßenlampen verglichen.

Das Natriumdampf-Licht hat einen warmen Orange-Ton und kommt in deutschen Städten nur selten zum Einsatz. Tatsächlich lockt es weniger Insekten an. Es könnte also tatsächlich sein, dass dadurch die Spinnen weniger Nahrung zur Verfügung haben und sich dementsprechend auch weniger reproduzieren. Ein anderes Lichtkonzept in der Hafencity kann die Spinnenplage vielleicht eindämmen. Sonst hängt die Attraktivität der HafenCity buchstäblich am "seidenen Faden".