Seit mehr als 20 Jahren schon bedroht ein gefährlicher Parasit die Bienen - die Varroamilbe. Ursprünglich in Asien zu Hause, schaffte sie in den 70er Jahren den Sprung nach Europa. Bis heute ist dieser Parasit das wohl größte Problem für die Bienenzüchter in Europa.
Die 1,6 Millimeter kleine Varroamilbe ernährt sich vom Blut der Bienen. Sie saugt die Bienen regelrecht aus, vor allem die Bienen-Larven und -Puppen werden stark geschädigt, denn die Milben nisten sich in den Zellen ein, in denen sich die Bienen entwickeln.

Günter Köhler, Imker in Halle, kennt das Problem: "Im Herbst sieht man Bienen, die auf dem Boden krauchen, es fehlt ihnen ein Flügel oder ein Bein. Ich gehe davon aus, dass hundert Prozent der Völker in Deutschland mit Milben behaftet sind." Viele Imker setzen auf synthetische Pestizide zur Bekämpfung der Varroatose. Doch die Milben passen sich an und werden gegen das Gift resistent. Dann muss ein neues Mittel her. Wegen möglicher Giftrückstände im Honig greifen aber immer mehr Imker zu natürlichen Mitteln wie Ameisensäure.

Im Jahr 2003 kam es zu einem Massensterben unter den Bienenvölkern in Deutschland. Fast ein Drittel der Bienenpopulation starb. Hatte sich die Milbe im milden Winter besser vermehrt? Wirkten die Behandlungsmethoden nicht mehr? Oder war die Varroa gar nicht der Auslöser, sondern ein giftiges Pflanzenschutzmittel? Bis heute ist nicht geklärt, was letztlich schuld war. Jeden Winter bangen Imker wegen der Varroamilbe um ihre Bienenvölker. Wenn jetzt noch ein anderer Parasit ins Land käme, wäre das für viele Bienenvölker der Todesstoß. Und diesen Parasiten gibt es bereits, aber zum Glück noch nicht bei uns. Fieberhaft forschen Wissenschaftler bereits nach Lösungen für den Tag, wenn der "Kleine Beutenkäfer" kommt.
Auch in den USA führte ein massives Bienensterben zu einer Katastrophe in der Landwirtschaft. Ohne Bienen keine Bestäubung, ohne Bestäubung keine Ernte. Bienenhaltung in den USA - das heißt industrielle Massenproduktion. Schwere Trucks verfrachten Millionen von Bienen tausende Meilen weit durchs Land, um riesige Felder zu bestäuben. Das Gefährliche daran: Mit den Bienen können sich auch Schädlinge blitzschnell verbreiten.

Schließlich entdeckten Forscher den geheimnisvollen Bienenkiller: Es war der "Kleine Beutenkäfer", heimisch in Südafrika. Aber wie kam er in die USA? Die Spur führte zu einem Frachter aus Südafrika. Er brachte die blinden Passagiere im Frachtraum mit: Ein Bienenschwarm, der von diesen Parasiten befallen war, hatte sich in einem Holzkran eingenistet. Die Antwort der US-Bienenindustrie auf den Beutenkäfer lautete: Chemie.

Doch der Vormarsch des Parasiten war nicht zu bremsen. Die Imker setzen in den USA bereits seit langem auf "package bees": Versandbienen von Züchtern aus aller Welt. Jedes Jahr werden Hunderte neuer Völker gekauft, aufgestellt und zwischenzeitlich kaum gepflegt. Auch das begünstigte das katastrophale Vordringen des Kleinen Beutenkäfers.

Weltweit werden heute per Luftfracht ganze Bienenvölker, oft auch nur Königinnen in winzigen Transportkäfigen auf die Reise geschickt - um besonders sammelfreudige oder sanftmütige Bienen zu kaufen, und manchmal auch in der Hoffnung, eine schädlingsresistente Biene zu züchten. Lebendig und sicher verpackt erreichen sie binnen Stunden ihr Ziel. Doch mit jedem Transport wächst auch das Risiko einer Parasiten-Invasion. Alle Importe werden deshalb genau kontrolliert. Doch viele Experten zweifeln an der Sicherheit dieser Kontrollen.

Ein Ponyhof auf der Insel Rügen. Im Jahr 2004 überfiel ein Bienenschwarm ein Storchennest mit Jungvögeln. Was war nur mit diesen Bienen los? Warum haben sie die Störche angegriffen, so als wären sie in höchster Gefahr? In diesem Fall war eine Königin ausgeschwärmt, gefolgt von einem Teil ihres Volkes. Statt einen sicheren Platz wie einen Baumstumpf oder Dachboden zu suchen, attackierten die Bienen das Storchennest. Ein Fall, der daran erinnert, dass in Bienen immer auch ein Gefahrenpotenzial schlummert.
Unsere Bienen gelten als besonders sanftmütig im Gegensatz zu wilden Bienen wie z.B. in Südafrika. Dafür haben diese andere Vorzüge. Hierzulande halten "Wächterbienen" fremde Artgenossen oder Wespen fern. Doch in Südafrika verhindern sie sogar, dass sich der kleine Beutenkäfer in den Bienenstock einschleicht. Peter Neumann vom Zoologischen Institut der Uni Halle hat in Südafrika und in den USA das Verhalten des Killerkäfers dokumentiert.
Dr. Peter Neumann: "Die afrikanischen Bienen haben verschiedene Taktiken, um sich gegen den Beutekäfer zu wehren. Eier und Larven des Käfers werden sehr effizient aus dem Volk entfernt. Darüber hinaus sperren sie den Käfer auch in Gefängnisse, eingesperrt in einer Wand aus Kittharz. "Wächterbienen" verhindern, dass der Käfer aus seinem Gefängnis ausbricht."
Afrikanische Bienen können sich helfen, weil sie besser auf die Feinde reagieren. Dr. Neumann versucht, die besonderen Stärken bestimmter Bienen in ihren Genen nachzuweisen, um den Schlüssel zu ihrem Waffenarsenal zu finden. Gewebeproben von Bienen unterschiedlicher Herkunft könnten zeigen, worin das Geheimnis besteht, das die afrikanische Biene nahezu unverwundbar macht.
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