Olivenfruchtfliegen haben sich im Mittelmeerraum zur Plage entwickelt. In Kroatien ist das Ausmaß der Zerstörung mit bloßem Auge sichtbar: vergammelte Früchte - zerlöchert von den Larven der Fliege. Mit natürlichen Feinden ist dem Heer der Fruchtfliegen nicht mehr beizukommen. Forscher haben eine neue Strategie in der Schädlingsbekämpfung entwickelt. Fruchtfliegenmännchen werden radioaktiv bestrahlt und dadurch unfruchtbar. Die gezüchteten Männchen können die Eier der Weibchen befruchten, aber der Nachwuchs stirbt im Larvenstadium. So rotten sich die Schädlinge selbst aus.
Die Olivenfruchtfliege nutzt nur Oliven als Brutstätte und legt dort ihre Eier ab. Ein Weibchen kann pro Tag 15 Eier legen. Die Larven ernähren sich vom Fruchtfleisch, verpuppen sich und schlüpfen nach etwa zehn Tagen aus. Innerhalb kurzer Zeit vernichten die Schädlinge ganze Olivenplantagen.

Die Olivenbauern in den feuchtwarmen Mittelmeerregionen Kroatiens versuchen, die Insektenplage mit Lockfallen in Schach zu halten. Aber das ist ein mühsames Geschäft. Die Forscher raten den Biobauern nur noch hoch gelegene Olivenhaine für die Ölproduktion zu nutzen. Denn die Fruchtfliegen meiden kühlere Regionen. Im feuchtwarmen Tiefland ist das gefräßige Insekt kaum zu bremsen. Fast 90 Prozent der Früchte sind dort befallen, und der Einsatz von Pestiziden scheint unumgänglich. Doch sind die Früchte dann mit chemischen Rückständen belastet, und das Öl ist unverkäuflich.

Mario Bjelis vom Institut für Pflanzenschutz (PPI Kroatien) erforscht und entwickelt Methoden gegen die Plage: "Die Olivenfruchtfliege verursacht zwei Probleme. Das eine ist der direkte Schaden: Die infizierten Oliven fallen zu Boden und sind wertlos. Der zweite Schaden ist indirekt: Oliven, die befallen sind und gepresst werden, erzeugen ein Olivenöl, das für den Menschen ungenießbar ist."

Die Olivenbauern erhoffen sich nun Hilfe von der Internationalen Atomenergiebehörde. Im Dienst der Welternährungsorganisation züchten die Nuklearforscher in den Laboren in Seibersdorf bei Wien Fliegen aller Art. In der Schädlingsbekämpfung haben sie eine clevere Strategie entwickelt, die so genannte sterile Insektentechnik (SIT). Insektenmännchen werden durch radioaktive Strahlung unfruchtbar gemacht. Die Fliegenweibchen paaren sich trotzdem mit ihnen und legen dann Eier, aus denen keine Nachkommen schlüpfen. Durch diese Methode werden die schädlichen Insekten deutlich dezimiert.

Die Grundlagen der Technik sind bereits erforscht, aber im speziellen Fall der Olivenfruchtfliege müssen die Forscher noch einige Hürden überwinden. Andrew Jessup, Entomologe, Olivenfruchtfliegen-Projektleiter bei der IAEA(International Atomic Energy Agency): "Die Olivenfruchtfliege ist eine spezielle Fliege. Sie legt ihre Eier nur in Oliven ab und auch nur ein Ei pro Frucht. Die Vermehrung der Fliegen im Labor ist kompliziert, denn sie brauchen spezielles Futter, Käfige etc. Alles ist schwieriger als bei anderen Fliegenarten."
Zuerst müssen die Forscher eine Folie suchen, die die Fliege als Ersatz-Olive zur Eiablage annimmt. Danach werden in zehn Tagen rund 40 tausend Eier produziert und auf spezielle Nährböden gespritzt. Nach weiteren zwei Tagen entstehen Larven, die sich verpuppen. Die Larvenpuppen der weiblichen Nachkommen sind hell, die der Männchen dunkel. Sie werden automatisch voneinander getrennt.


Noch im Puppenstadium werden die Fliegenmännchen radioaktiv bestrahlt. Die Radioaktivität darf aber nur den Teil des Erbguts zerstören, der für die Fortpflanzung wichtig ist. Erst im späteren Feldversuch zeigt sich, ob die Männchen die Bestrahlung gut überstanden haben. Sind die im Labor gezüchteten Olivenfliegen-Männchen robust genug sind, können sie im Olivenhain ausgesetzt werden. Noch fehlen einige Tests, doch wenn alle Studien abgeschlossen sind, hoffen die Forscher auf die perfekte, männliche und unfruchtbare Olivenfruchtfliege.
Erfolgreich war die Methode bereits bei einer anderen Fliegenarten. Die mediterrane Fruchtfliege Ceratitis capitata hat vor allem Zitrusfrüchte befallen. Im Kampf gegen diese Plage arbeiten die Experten in Israel, Jordanien und Palästina Hand in Hand. Gemeinsam haben sie auf den Obstplantagen sterile Insektenmännchen eingesetzt und innerhalb kurzer Zeit ist die Schädlingspopulation tatsächlich zusammengebrochen.
Auch auf der Insel Sansibar wurde diese Methode mit Erfolg angewendet, wie zum Beispiel bei der TseTseFliege. Dieser Blutsauger überträgt Parasiten, die das Nervensystem ihrer Opfer schädigt. Damit ist das Insekt für Tierseuchen und die Schlafkrankheit verantwortlich. Auf der Insel Sansibar wurden sterile Männchen der TseTseFliege in riesigen Mengen ausgesetzt: Auf ein wildes Männchen kamen bis zu 100 Bestrahlte. Das Ergebnis: Die TseTse-Fliege ist auf Sansibar ausgerottet.