Ich bin Student für Geotechnik und Bergbau und von dem Beitrag zur Umweltverschmutzung durch Kalibergbau schwer enttäuscht.
Wie im Beitrag angesprochen muss man immer zwei Seiten einer Medaille sehen, aber z.Z. ist der "Öko-hipe" wohl so groß, dass die Medaille immer auf die eine Seite fallt. Die "Wissenschaft" ist aber eine objektive Betrachtung der Dinge in der man sich nicht eben mal die Argumente zurechtlegen sollte, die gerade ins Medienbild und die Einschaltquoten passen.
Richtig ist, dass die Natur, speziell das Grundwasser stark beeinflusst und verschmutzt werden, aber muss sich auch jeder die Frage stellen, wie die Welt wohl ohne Kalibergbau aussehen würde:
1. Wird kein Kali in Deutschland gewonnen, so wird es importiert und im Ausland (hier sei auf Kanada als großes Kaliland verwiesen) sind die Umweltauflagen sehr viel geringer, wenn überhaupt vorhanden. Wir sind das Problem los - Deutschland ist sauber - die anderen Länder haben statt uns diese Problematik am Hals.
2. Die Pipeline ist keine schlechte Idee und kann auch finanziell in betracht gezogen werden. Aber auch hier wird das Problem nur an die Nordsee verlagert - wobei Salz gibt es dort doch auch?!
3. Die Salzhalden wieder nach unter Tage zu verlagern ist unmöglich. Ein Teil des Restsalzes wird übrigens unter Tage wieder versetzt, aber eben nicht alles. Auch weil wie im Bericht angesprochen andere Abfäle wie Aschen dort versetzt werden. Was ist wohl besser. Eine Salzhalde an der Oberfläche oder ein Müllberg aus Kraftwerksasche, chemischen Abfällen und einigem mehr. Verschwiegen werden sollte jedoch nicht, dass es Geld für die Einlagerung dieser Abfälle gibt. Wieviel müsste man bei K+S recherchieren.
4. Je mehr Umweltschutz, desto höhere Produktionskosten. Bergbauunternehmen arbeiten mit einer Rendite von ca. 10% (vergleich Banken bei mindestens 25%), d.h. grob 10 % Gewinnabwurf. Wird es zu teuer, wird der Betrieb früher oder später eingestellt und dann siehe Punkt 1
Also lieber mäßiger Umweltchutz bei uns oder kein Umweltschutz irgendwo im Ausland, wo wir Deutschen keinen Einfluss mehr nehmen können?
5. Das Modell Kenia ist in Europa nicht anwendbar. In Kenia wird die verfügbare Ackerfläche weniger intensiv genutz als bei uns. Eine Ertragssteigerung ist also auf verschiedene Weise möglich. In Europa hingegen ist eine Steigerung kaum mehr möglich, da wir hier schon hochtechnisiert sind. Würden wir auf Modell Kenia umstellen, so würden unsere Erträge je Quadratkilometer sinken. Wir würden demnach mehr Fläche für die Landwirtschaft benötigen. Platz, den man z.B. für Naturschutzgebiete nutzt!
6. Bergbau ist standortgebunden. Eine Lagerstätte ist nun einmal an einem festen Ort und kann nicht wie ne Autofabrik verlagert werden und erfordert enorme Investitionen. Wir sollten froh sein, dass dieser Wirtschaftsfakor noch da ist und nicht wie Nokia einfach schnell "abhauen" kann. Überlegen wir demnach, ob wir all unsere Indutrie verscheuchen sollten! Aber das ist das nächste Thema.
Zum Schluss noch eine kleine Anregung an die Redaktion. Als Wissenschaftssendung muss man auch die richtigen Begriffe Verwenden bzw. recherchieren: Ein Stollen ist ein horizontaler Grubenbau von einem Stollenmundloch (Eingang) in das Gebirge hinein. So wa gibts im Werrarevier nicht. Dort gibt es "Strecken", die keine horizontale Verbindung nach übertage haben, nur Schächte (vertikal) führen ans Sonnenlicht.